Unterstützung verbessern, Sexkaufverbot verhindern

Die prekäre Lage durch die Corona-Pandemie wird dazu genutzt, politische Ziele zu befördern, so rückt das Sexkaufverbot seit Monaten immer mehr in die Öffentlichkeit. Die aktuelle Debatte lässt jedoch vieles im Dunkeln.

Sexuelle Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, soll verboten werden. Die fatalen Auswirkungen eines solchen Verbots für Sexarbeiter*innen werden außer Acht gelassen.

Maike Biewen, Geschäftsführerin der AIDS-Hilfe Baden-Württemberg, macht deutlich: „Sicherheit für Sexarbeiter*innen lässt sich nur unter legalen Bedingungen herstellen. Um Menschen zu erreichen und zu unterstützen, bedarf es einer höheren Akzeptanz und Respekt. Ein Verbot sorgt dafür, dass Sexarbeiter*innen allein gelassen werden. Sicherheitskonzepte, die Bordelle oder Sexarbeitende sich gegenseitig geben, brechen weg. Angebote der Sozialen Arbeit finden keinen Zugang mehr. Wer wirklich helfen möchte, muss bei den Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen anfangen.  Um professionell zu unterstützen, braucht es ein flächendeckendes Beratungsangebot in Baden-Württemberg, dessen Finanzierung gesichert sein muss.“

Seit dem 12. Oktober ist Prostitution in Baden-Württemberg wieder erlaubt, doch die vergangenen Monate zeigen, was im Falle eines Sexkaufverbots geschehen wird. Prostitution findet trotzdem statt. Sexualität lässt sich nicht verbieten. Sexarbeiter*innen sind gezwungen zu arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Staatliche Hilfen sind für die wenigsten zugänglich. Statt eines Verbots braucht es mehr Unterstützung für die Menschen in Sexarbeit. Dafür ist ein niedrigschwelliger Zugang zum Gesundheits- und Sozialsystem genauso wichtig wie ein unabhängiges Beratungs- und ein differenziertes Hilfeangebot.

„Ein Sexkaufverbot zwingt Sexarbeiter*innen in die Illegalität und das heißt weniger Schutz, weniger Rechte und mehr Stigma“, so Claudia Jancura, Leiterin der Beratungsstelle Aspasia in den Räumen der AIDS-Hilfe Pforzheim. „Beim Sexkaufverbot stehen moralisierende Vorstellungen im Vordergrund, oftmals nicht der Schutz der Sexarbeitenden. Die Gleichsetzung von Prostitution mit Menschenhandel und Zwangsverhältnissen ist falsch. Die Lebenssituationen von Sexarbeiter*innen in Deutschland sind sehr vielfältig. Viele Personen wählen den Beruf aus freien Stücken – manche, weil sie genau diesen wollen, manche mangels Alternativen. Jeder Mensch hat das Recht auf Selbstbestimmung.“

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