Chapel Hill – US-Forscher haben die räumliche Struktur des Genoms des HI-Virus entschlüsselt. Die Publikation in Nature (2009; 460, 711-716) verspricht neue Einsichten in die Pathogenese der Erkrankung.
Das HI-Virus gehört wie das Influenza-, Hepatitis C- und das Polio-Virus zu den einsträngigen RNA-Viren. Im Unterschied zur doppelsträngigen DNA etwa des Menschen ist die einsträngige RNA wesentlich komplexer aufgebaut.
Sie lagert sich stellenweise zu Doppelsträngen zusammen oder bildet kleine Schleifen. Diese dreidimensionale Struktur hat einen Einfluss auf das Verhalten des Virus und seine Vermehrung in den T-Helferzellen des Menschen, glaubt die Gruppe um Ronald Swanstrom vom Linenberger Cancer Center an der Universität von North Carolina in Chapel Hill. Ihr ist es nun gelungen, die genaue Struktur der beiden RNA-Stränge des HI-Virus zu entschlüsseln, was angesichts der Größe von jeweils 10.000 Nukleotiden nicht einfach gewesen sein dürfte.
Die dreidimensionale Struktur des Virus erwies sich als derart komplex, dass die Forscher sicher sind, dass ihre neuen Erkenntnisse weitreichende Auswirkungen auf das Verständnis der Vermehrungsstrategien haben werden.
Ob sich neue Einblicke in die „Tricks“ des HI-Virus und vielleicht neuen Therapie daraus ergeben werden, wie die Autoren schreiben, lässt sich nicht vorhersagen. Im nächsten Schritte wollen die Forscher im Labor kleine Änderungen in der RNA-Sequenz des Virus einfügen und die Auswirkungen auf die Infektiosität untersuchen.
Quelle: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/37630/Struktur_des_HIV-Genoms_entschluesselt.htm, 07.08.2009