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Warum HIV bei Frauen schneller voranschreitet

Boston – US-Forscher haben herausgefunden, warum die HIV-Infektion bei Frauen schneller als bei Männern zur Immunschwäche voranschreitet. Schuld ist nach einer Publikation in Nature Medicine (2009; doi: 10.1038/nm.2004) das Hormon Progesteron.

Bezogen auf HIV-Infektionen sind Frauen gleichzeitig das stärkere und das schwächere Geschlecht. Stärker sind sie, weil die Immunantwort auf eine akute Infektion heftiger ausfällt als bei Männern. Nach einem Kontakt mit dem HI-Virus kommt es bei Frauen zu einer stärkeren Aktivierung von CD8-positiven T-Zellen.

Anfangs führt dies dazu, dass die HI-Viren bei Frauen besser bekämpft werden. Die Viruskonzentration im Blut ist geringer als bei Männern. Da die Immunreaktion aber auch die Bildung derjenigen CD4-Zellen fördert, in denen sich die HI-Viren hauptsächlich vermehren, ist dies ein Pyrrhussieg. Er bereitet den Boden für eine bei Frauen heftigere chronische HIV-Infektion. Unbehandelt kommt es schneller zur Immunschwäche Aids als bei Männern.

Der Grund für die geschlechtsspezifischen Unterschiede war bisher nicht bekannt. Die Gruppe um Marcus Altfeld vom Massachusetts General Hospital in Boston untersuchte deshalb systematisch die Anfangsphase der Infektion. Sie besteht in der Aufnahme der HI-Viren durch sogenannte dendritische Zellen (plasmacytoid dendritic cells pDC). Sie gehören zu den antigen-präsentierenden Zellen, die HIV mithilfe eines Rezeptors, dem Toll-like receptor 7 (TLR7), erkennen.

Die pDC reagiert darauf unter anderem mit der Freisetzung von Interferon-alpha, einer Signalsubstanz, die eine vermehrte Aktivierung von CD8-positiven Zellen zur Folge hat. Diese Reaktion fiel stärker aus, wenn die Forscher pDC von prämenopausalen Frauen verwenden, während es zwischen den pDC von postmenopausalen Frauen und Männern keine großen Unterschiede gab.

So lag die Vermutung nahe, dass weibliche Geschlechtshormone die Reaktion der pDC beeinflussen. Die folgenden Experimente bestätigten dies. In der Gegenwart des Hormons Progesteron setzten die pDC nach dem Kontakt mit HIV mehr Interferon gamma frei. Die Folge war die bekannte stärkere initiale Immunreaktion.

Die Experimente liefern erstmals eine plausible Erklärung für einen Gender-Unterschied bei der HIV-Infektion. Dieser spielt in den Industrieländern keine große Rolle, da sich die Virusreplikation mit antiretroviralen Medikamenten bei beiden Geschlechtern gleich gut unterdrücken lässt.

Ob die Modulation der TLR7-Reaktion durch Sexualhormone einen neuen Ansatzpunkt für die Behandlung der HIV-Infektion liefert, wie die Autoren hoffen, bleibt abzuwarten. © rme/aerzteblatt.de

Weitere Informationen:
http://www.nature.com/nm/journal/vaop/ncurrent/abs/nm.2004.html

Quelle: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/37341/; 16.07.2009



  
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